21.10.2020

Das Virus und wir.

Zum Thema „Tagebuchbloggen“

„Das ist ein Marathon, kein Sprint.“ Ja, ja, ich kann’s nicht mehr hören, ehrlich gesagt. Wir richten uns alle auf einen langen Winter ein. Uff.

Aber da sind wir, und heute, ja. Heute habe ich auch die vielbeschriebene pandemic fatigue bei mir bemerkt. Ich mag nicht mehr. Immer, überall über alles mögliche nachdenken. Spieldates planen, sodass sie pandemiekonform sind. Das Kind mit den Großeltern zusammenbringen. Nicht mal eben nach Berlin oder München zu einem meiner Verlage fahren. Oder zu meiner Agentin, die ich seit sechs Jahren nicht gesehen habe und einfach mal in den Arm nehmen möchte, weil sie eben die weltbeste ist. (Ja, auch ich umarme. Selten, aber ich tu’s.) Oder unbeschwert mit Freunden im Restaurant essen, Wein trinken. Unbeschwert! Das ist es vor allem.

Und es gibt noch etwas, das mich ziemlich nervt. Ich bin eine miserable Leserin geworden in den letzten Monaten. Ich weiß nicht, ob es da einen Zusammenhang gibt, aber Romane breche ich in den aller-allermeisten Fällen nach ziemlich genau der Hälfte ab mit einem „ja, puh. Kennt man doch alles schon“, und ehrlich, das ist doch wurscht, selbst wenn man schon alles kennt.

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Okay. Alles kennt man vielleicht nicht. Die Pandemie ist auch da sehr um uns bemüht, neue Formen der Literatur hervorzubringen, aber auch ich habe Grenzen dessen, was ich mal anlesen würde. Meinetwegen auch Berührungsängste, aber Corona-Erotik? Sex mit einem Virus? Dann doch lieber ohne Körperkontakt, danke. Brrr.

Schon 4 Kommentare

  1. Sophia sagt:

    O.M.G Kissing the Corona Virus? Ernsthaft? Da denkt man, man hätte schon alles an Literatur gesehen … Ich verstehe dich sehr gut. Ich bin auch müde. Müde von der Flut an teils widersprüchlichen Infos, von neuen Regelungen, die sich ständig ändern, von dem Abstand, von dem Nicht-Planbaren, von der permanenten Angst (habe zu Hause einen Hochrisiko-Menschen, der sich keinesfalls anstecken darf) Ich lese viel weniger. Kann mich nicht konzentrieren und manchmal wirkt die Handlung zu profan. Sie gehen an den Strand … ja schön, würde ich auch gerne mal wieder, frage mich, wann das wieder unbeschwert möglich ist. Sie streiten wegen Nichtigkeiten in Roman und ich denke, ja, diese Probleme hätte ich gerne … Dabei lese ich so gerne, aber vielleicht sind im Moment einfach nicht die richtigen Bücher für mich bei. Die Verschwindende Hälte habe ich zuletzt gelesen und verschlungen. Das war mal wirklich ein Highlight und es etwas, das ich zumindest so noch nicht kannte.

    • Die verschwindende Hälfte möchte ich auch unbedingt noch lesen – überhaupt. Es gibt so viel gute, wichtige Literatur da draußen. Wobei: Auch die profanen Geschichten sollten ihre Berechtigung haben, oder nicht? Sie brauchen den Platz, sie werden gelesen, um dem Alltag zu entfliehen. Eine Welt, in der man nicht an AHA denken muss, ich glaube, das brauchen unsere Leser:innen vielleicht im Moment einfach. Ich brauch’s übrigens auch, weshalb ich froh bin, mit den kommenden Projekten allesamt noch im frühen 20. Jahrhundert bleiben zu dürfen …

  2. Claudia sagt:

    Ich hoffe Du findest den Weg zum Lesen bald wieder. Ich denke aber das hängt zu großen Teilen sicher auch mit dem vielen Schreiben zusammen. Ich kenne das noch aus lernintensiven Zeiten, da habe ich selten bis gar nicht lesen können. Manchmal braucht es dann etwas ganz anderes und das hast du ja im kreativen gefunden.

    Aber klar die Pandemie macht es natürlich auch nicht immer einfach den Kopf abzuschalten und in die Buchseiten abzutauchen.

    Ich wünsche dir jedenfalls das du immer etwas findest was Dir gut tut runter zu kommen – ob nun lesen oder weben, Stricken, nähen….

    • Ich suche mir ja Ersatz.

      Was übrigens bei mir immer geht, sind die tollen Bücher vom Eisele-Verlag – die Verlegerin und ihr Team haben einfach einen unglaublichen Spürsinn für wirklich gute Geschichten. Hach.

      Oder Hilary Mantel hören, das geht natürlich auch immer.

Die Kommentare sind geschlossen.

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